
Vortrag - Humanpotential Mittel-, Ost und Südosteuropa
Die ‚Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest’ als Beitrag zur Förderung des Humanpotenziales in Mittel- und Südosteuropa, ein Vortrag von Christian Vranek
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie groß das Humanpotenzial Mittel- und Südosteuropas ist, sehen wir, wenn wir einen Blick auf die Kulturgeschichte unseres Landes werfen. Österreich, insbesondere Wien, hat diesbezüglich, nicht zuletzt auf Grund seiner historisch relevanten Position und geographischen Lage ungemein profitiert. Prof. Frischenschlager hat als Rektor der Wiener Musikuniversität im Jahr 1991, unmittelbar nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs, die Internationale Sommerakademie Prag –Wien – Budapest gegründet mit dem Ziel durch Begegnung akademischer Jugend und Musik einen Beitrag zu leisten für ein neues Bewusstsein der Donauländer, basierend auf dem einzigartigen gemeinsamen kulturellen Erbe im Zentrum und Südosten Europas.
Der Dirigent Nicolaus Harnoncourt kommentierte die Idee der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest, welche Gegenstand meines Vortrages ist, wie folgt: „Es gibt keine Region, die in der Hochblüte der abendländischen Musik mehr und Bedeutenderes hervorgebracht hätte, als der Donauraum. Es gibt einen mitteleuropäischen Klangstil und einen ebensolchen geistigen Zugang zur Musik, der sich als ungemein wertvoll und fruchtbar erweist. Die Idee einer derartigen Akademie lag also in der Luft und tradiert Werte, die auch für das Schöpferische höchst wichtig sind. Eine kulturelle Keimzelle“.
Förderung junger Künstler/-innen
speziell aus Mittel- und Südosteuropa
Die Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest investiert in das humane künstlerische Potential Mittel- und Südeuropas. Als größtes internationales Projekt der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, hat sie auch die Bedeutung der Wiener Musikuniversität für akademischen Spitzennachwuchs besonders aus CEE verstärkt und gefördert. Zu den Ländern mit denen auf universitärer Ebene im Rahmen der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest kooperiert wird zählen: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarin, Serbien und Montenegro, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn und die baltischen Staaten, sowie Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kasachstan, Litauen, Niederlande und die USA. An die 400 Künstler - Spitzennachwuchsmusiker und Professoren - 70 % davon aus Mittel- und Südosteuropa nehmen jährlich an den Meisterkursen der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest im südlichen Niederösterreich in den traditionsreichen Kurorten Reichenau, Semmering, Gloggnitz und Baden teil.
Die prominenten Professoren sind führende Pädagogen Ihrer Universitäten und wirken und wirken vielfach weltweit als Künstler u.a. als Solisten, in berühmten Ensembles und Institutionen. Auch bei der Herkunft der Pädagogen liegt der Schwerpunkt bei Professoren der Universitäten Budapest, Prag und Wien um eben speziell diesen mitteleuropäischen Klangstil zu vermitteln. Spitzennachwuchsmusiker aus insgesamt 37 Nationen begegnen einander bei der diesjährigen Sommerakademie. Den jungen Künstlern aus CEE wird die Teilnahme an der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest über gestiftete Stipendien ermöglicht. Diese Stipendien werden von einer großen Gemeinschaft an Mäzenen, Förderern und Sponsoren gestiftet.. Auf Grund der finanziellen Situation – so beträgt das durchschnittliche Einkommen eines Tschechischen Staatsbürgers € 450.-, die Kosten der Teilnahme an der Sommerakademie für Meisterkurs, Unterkunft und Verpflegung belaufen sich auf € 1000.- - wäre der Besuch der Sommerakademie für Künstler aus CEE unerschwinglich. Jeder Partneruniversität aus Mittel- und Südosteuropa wird ein Stipendienkontingent zugeteilt, wo die jungen Künstler über Wettbewerbe an Ihren Universitäten ausgewählt und an die Sommerakademie entsandt werden.
Die Wirtschaft als Partner
Es sind jährlich an die € 175.000.- ausschließlich an Stipendiengeldern nötig um diese Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest zu realisieren und damit musikalischen Spitzennachwuchs aus Mittel- und Südosteuropa die Teilnahme an der Sommerakademie zu ermöglichen.
Als Prof. Frischenschlager und ich vor zwei Jahren ein Symposium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien zum Thema „Kunstuniversität und Wirtschaft“ veranstalteten, war eines der Ziele die Sponsoren- und Fördergemeinschaft der Sommerakademie zu konsolidieren und zu vergrößern um damit auch diese Sommerakademie weiter zu professionalisieren. Der Umgang mit Sponsoren und Förderern bedarf heutzutage eines professionellen Managements. Viele NPOs könnten aus diesen Kooperationen wichtige Fortschritte im Selbstmanagement erzielen – ein Punkt , welcher in der Zusammenarbeit mit Sponsoren viel zu wenig Beachtung findet.
Wir haben auf der Suche nach weiteren Partnern für die Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest Konzerne gefunden, welche uns als bedeutende Kooperationspartner zur Seite stehen und sich im besten Falle selbst kreativ in diesen Partnerschaftsprozess einbringen. Siemens, Henkel, Bank Austria Creditanstalt – HVB Group sind unsere Großsponsoren. Sie führen eine lange Reihe von privaten Finanzsponsoren an. Öffentliche Gelder werden u.a. vom Land Niederösterreich, dem Österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, dem Österreichischen Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bereit gestellt. Ich möchte in diesem Zusammenhang betreffend Sponsoring auf die Wichtigkeit der Unabhängigkeit in Planung und Gestaltung der eigenen Aktivitäten hinweisen. Eine große Förder- und Sponsorengemeinschaft ist Voraussetzung für gegenseitige Unabhängigkeit. Darüber hinaus wird die Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest auch von unzähligen Sachsponsoren unterstützt. Besonders möchte ich in diesem Zusammenhang das Engagement des ORF Niederösterreich und der Österreichischen Bundesbahnen hervorheben. All diese so wichtigen Partner konnten von den Zielen der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest begeistert werden, welche sich vom Leitsatz „Zusammenführung und Förderung des akademisch- musikalischen Spitzennachwuchses speziell aus CEE“ ableiten:
Die Ziele des Engagements
- Zusammenführen des musikalisch-akademischen Spitzennachwuchses und einer Elite namhafter Künstler-Professoren aus CEE
- Förderung von herausragenden Musiktalenten
- Fortbildung konzertreifer akademischer Musiker durch Meisterkurse
- Intensivierung der gemeinsamen mitteleuropäischen Kulturidentität
- Neues Erleben der vielfältigen gemeinsamen ästhetischen, musikalischen, stilistischen Tradition Mitteleuropas durch Lehre, intensives Studium und gemeinsames konzertieren.
- Bewusstmachen und Vermitteln der einzigartigen, gemeinsamen Musikkultur Mitteleuropas aus Vergangenheit und Gegenwart in Form von Meisterkursen und Konzerten.
- Künstlerisch-geistige und menschliche Begegnung der jungen musikalischen Elite aus den Reformländern und der westlichen Welt.
- Besondere Förderung der zeitgenössischen Musik aus Mittel- und Südosteuropa durch gezielte Programmgestaltung für Unterricht und Konzerte, durch den Kompositionsmeisterkurs und der Widmung spezieller Preise im Rahmen der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest für Interpretation zeitgenössischer Musik.
- Kooperation der führenden Musikuniversitäten aus CEE und daraus resultierend Verstärkung der länder- und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
- Belebung und kulturelle Bereicherung für den Tourismus in der Region
Alljährlich werden in der zweiten Augusthälfte im Rahmen der Meisterkurse der Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest an die 40 Konzerte in der Semmeringregion bis Wien veranstaltet mit dem Ziel, die kulturelle Verbundenheit Mittel- und Südosteuropas über Musik erlebbar zu machen.
Verstärkte Zusammenarbeit durch die Konzertreihe Musilerlebnis Mitteleuropa
Um diese Idee der Sommerakademie auch in den Partnerländern erlebbar zu machen und neue Stipendienstifter zu gewinnen, haben wir die Konzertreihe 'Musikerlebnis Mitteleuropa' in Kooperation mit den Musikuniversitäten aus CEE, der Wirtschaftskammer Österreich und dem Österreichischen Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten initiiert. Diese Konzerte in Budapest, Prag, Krakau etc. sind von unheimlich großer Resonanz und haben verdeutlicht, wie viele Kooperationen in dieser Richtung realisiert werden sollten und welch großes Interesse dafür auch in den Mittel- und Südosteuropäischen Ländern vorhanden ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auch meinen Dank an den Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, sowie an den Leiter der Abteilung für Programmplanung der kulturellen Sektion des Außenministeriums Botschafter Dr. Emil Brix, aussprechen, welche uns bei diesem Projekt wesentlich unterstützen.
Das künstlerische Angebot
Die Sommerakademie Prag-Wien-Budapest bietet gegenwärtig für an die 350 Musiker/-innen Meisterkurse in folgenden Sparten an:
- 1991 Meisterkurse für solistische Streicher (Semmering)
- 1993 Meisterkurs für Streichquartett (Reichenau an der Rax)
- 1994 Meisterkurse für solistische Bläser & Bläserkammermusikmusik (Gloggnitz/Raach)
- 1995 Meisterkurs für Komposition (Reichenau an der Rax)
- 1998 Meisterkurs für Gesang (Baden)
- 1999 Meisterkurs für Klavier (Baden)
- 2001 Seminar für Medienkomposition (Reichenau an der Rax)
- 2003 Meisterkurs für Dirigieren (Baden)
Die Karrieren der Künstler/-innen
Für viele junge Künstler sind diese Meisterkurse vielfach Wegbereiter zu Erfolgen bei internationalen Wettbewerben und zur künstlerischen Karriere auf den Konzertpodien, in den Opernhäusern und Orchestern der Welt wie Budapester Staatsoper, Tschechisches Nationaltheater, Wiener Staatsoper...; Münchner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Tschechische Philharmonie etc.
Die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien als Profiteur
Zuletzt möchte noch darauf hinweisen, wie wichtig diese Sommerakademie auch für den Standort der Musikuniversität Wien ist. Seit der Öffnung des Eisernen Vorhanges konnte der Rückgang an Studierenden aus den Ländern der westlichen Welt durch Studenten aus Mittel- und Südosteuropa kompensiert werden. Studierten 1991/92 ca. 130 Musiker aus Mittel- und Südosteuropa an der Wiener Musikuniversität so sind es im Studienjahr 2001/02 an die 375 Studierende. Für viele dieser Studenten war die Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest erster Kontakt mit der Universität für Musik und darstellenden Kunst Wien. Man kann Prof. Frischenschlager für diese so großartige Institution gar nicht genug danken. Ich denke wir sollten diese Länder Mittel- und Südosteuropas mit allen unseren Möglichkeiten unterstützen, als wesentlichen Beitrag eines intensiven Zusammenlebens in einem zukünftig wieder geeinten Kultur-, Wirtschafts-, und Lebensraum.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Der Vortrag wurde am 3. Februar, 2003, im Rahmen der Konfernz 'Das neue Humanpotential Mittel- , Ost und Südosteuropas auf dem Weg zur Wissensgesellschaft' gehalten. Die Konferenz wurde vom Institut für den Donauraum und Mitteleuropa veranstaltet.

